KoR IFRS
Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung
Stand: Juni 2017

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KOR vom 02.06.2017, Heft 06, Seite 249 - 255, KOR1230603
KoR > Aufsatz

„(Lifetime) Expected Credit Losses“ als Mechanismus der Verlustantizipation nach IFRS 9

– Operationalisierung der Schätzparameter in kritischer Betrachtung –

Dipl.-Math.oec. Tobias Filusch / Prof. Dr. Sascha H. Mölls

Dipl.-Math.oec. Tobias Filusch und Prof. Dr. Sascha H. Mölls sind vom Institut für Genossenschaftswesen (ifG Marburg) sowie vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungslegung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg.

Mit dem „(Lifetime) Expected Credit Loss“ (LECL) schafft der IFRS 9 ab dem Jahr 2018 einen komplexen Wertminderungsmaßstab, der an das finanzwirtschaftliche Risikomanagement von Banken angelehnt ist und zukunftsorientierte Informationen berücksichtigen soll. In der Diskussion um diesen neuen prospektiven Mechanismus der Verlustantizipation ist sowohl die konzeptionelle Operationalisierung der Modellparameter als auch eine intensive Auseinandersetzung mit den Anwendungsvoraussetzungen und -konsequenzen bisher weitestgehend vernachlässigt worden. Vor diesem Hintergrund werden im vorliegenden Beitrag verschiedene Modellierungsansätze für die Parameter des LECL kritisch analysiert und hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit untersucht.

Artikel-Inhalt

  • I. Einleitung
  • II. (Lifetime) Expected Credit Losses nach IFRS 9 – Ein Überblick
    • 1. Grundstruktur des Wertminderungsmodells
    • 2. Modellierung des (Lifetime) Expected Credit Loss
  • III. Operationalisierung der Parameter des (Lifetime) Expected Credit Loss
    • 1. Grundsätzliche Überlegungen
    • 2. Probability of Default
    • 3. Loss Given Default
    • 4. Exposure at Default
    • 5. Vergleichende Würdigung der Ansätze
  • IV. Zusammenfassung

I.Einleitung

Im Zuge der Subprime- und der sich anschließenden Finanzmarktkrise ist die stichtagbezogene Bilanzierung von Finanzaktiva nach dem ausschließlich retrospektiven Incurred Loss-Modell gem. der kapitalmarktorientierten IFRS-Rechnungslegung heftig kritisiert worden. Neben der Komplexität und der sich im Rahmen der praktischen Umsetzung zwangsläufig ergebenden Subjektivität der Regelungen des einschlägigen IAS 39 geht es in der Kritik vor allem um die prozyklische Mechanik des Incurred Loss-Modells, das in konjunkturellen Hochphasen zu hohe Gewinne ausweist und in Abschwüngen anfänglich geringe, jedoch in der Folge massive Abschreibungen verursacht. Entsprechend finden sich Bezeichnungen wie „too little too late“ und „cliff effect“, die die Forderung nach einer Bewertungskonzeption untermauern, die über die Risikoposition von Finanzaktiva frühzeitig informiert und dadurch den zukunftsorientierten Informationsinteressen der Adressaten eher nachkommen soll. Der Standardsetzer IASB

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Version: rc-3.1.26831 (Handelsblatt Fachmedien_KOR)
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